Berichte und Fotoserien von unseren Clubaktivitäten 2010

Der 4x4 Augsburg feiert wieder mal Ostern in Tunesien

CLUBAUSFLUG 2010 NACH TUNESIEN

– 6 Fahrzeuge – 9 Erwachsene – 1 Kind

Sechs Clubmitglieder haben sich für eine gemeinsame Wüstenausfahrt unter dem Motto "Sand bis zum Abwinken" zusammengefunden.

Nach einer individuellen Anreise nach Genua waren bereits die ersten spektakulären Ereignisse zu verzeichnen. Während fünf von uns im Hafen auf die Fähre warteten kam die Nachricht von Rainer, dass er möglicherweise nicht rechtzeitig am Hafen eintreffen wird, aufgrund perforiertem Kühler, den ein Kühlkompressor verursacht hat. Aber er schaffte es dennoch, nachdem er sämtliche Frischwasserstellen zwischen Gardesee und Genua zum Nachfüllen anfahren hatte  Da sein Toyota aus Tunesien stammt hoffte er in Tunis Ersatzteile zu bekommen. Die Überfahrt erfolgte fast pünktlich und man versuchte telefonisch Ersatzteile zu ordern. Somit waren wir gezwungen unsere Reisegruppe zum ersten Mal zu trennen, da Rainer mit Familie Aufenthalt in Tunis hat und die Gruppe weiterfährt zum Abendlager in Bou Ficha, wo wir uns mit Nicky und Familie treffen wollten.

An der ersten Tankstelle haben wir unsere Tanks aufgefüllt und das Unglück nahm seinen Lauf. Wir tanken in zwei Benziner 350 Liter Superdiesel. Die Motoren quittieren dies nach 200 m mit "Stillstand". Gott sei Dank kommen zwei deutsche Lkw zur Tankstelle und wir können wenigstens den Diesel aus den Kanistern weitergeben. Der Diesel im Tank unserer Autos wird vom Tankwart auf spektakuläre "tunesische" Weise einfach abgelassen. Mit echtem Super vollgetankt haben unsere beiden Benziner noch nie so gequalmt beim Versuch zu starten.

Mit stundenlanger Verspätung -  endlich am Strand in Bou Ficha angekommen.

 

Montagmorgen: Wir fünf vom Strand setzen uns in Bewegung nach Douz und erfahren im Laufe des Vormittags, das Rainer mit einen neuen Kühler nach kommt. Wir checken im Hotel ein und Rainer meldet, dass der Toyo wegen Reifenpanne wieder später nachkommt. Am Hotelparkplatz  meldet John beim auspacken, "Benzingeruch aus dem Fahrzeuginnern". Ein geborgter Kanister war leck und verströmte seinen Inhalt in die Alukiste in der er glücklicherweise mit zwei weiteren steckte.

Dienstag: Endlich sind alle sechs Fahrzeuge beisammen und unserem Wüsteneinstieg steht nichts mehr im Wege. Wir fahren nach GPS direkte Linie zum Wüstencafe und müssen feststellen, dass der Sand dieses Jahr extrem weich ist. Unser heutiges Ziel ist Ksar Ghilane, das wir allerdings wegen schwerem Boden nicht erreichen - aber so wollten wir es ja haben.

Mittwoch: Heute geht es weiter. Gegen Mittag erreichen wir das Ksar Ghilane und Sabine verliebt sich in ein weißes Dromedar-Baby. Und eh man sich versieht, sitzt John schon im Wasser der Oase.

  

Am selben Tag schlagen wir noch den Weg über die Dünen nach Tembaine ein. Doch an den ersten höheren Dünen müssen wir erkennen, dass zwei von uns verstärkte Probleme haben mit dem extrem weichen Sand. Daraufhin begehen wir einen schweren Fehler der da heißt - "Trenne niemals eine Gruppe in der Wüste".  Da vier von uns die Luftlinie beibehalten wollten, ergab es sich, die beiden schwächeren Fahrzeuge um die Dünengruppe herumzuschicken, um sich danach wieder zusammenzufinden. Der Dünengürtel wurde von den vier direkt fahrenden Fahrzeugen bezwungen und wir hofften in Kürze auf die beiden anderen Gruppenmitglieder zu stoßen, was sich allerdings als Trugschluss erwies.

Aufgrund schlechten Gewissens und weil man sich mittlerweile ernsthafte sorgte, machten wir uns auf die Suche nach den beiden vermissten Fahrzeugen. Nach stundenlangem Suchen konnten wir die Fährte aufnehmen und uns vergewissern, dass die beiden nicht irgendwo stecken geblieben sind und  eine Piste erreicht haben. Diese Aktion hat natürlich viel Zeit und Sprit gekostet und wir mussten wieder in den Dünen übernachten.

Donnerstag: Mit immer noch ungutem Gefühl machen wir vier uns auf den direkten Weg nach Tembaine. Bei zu heftigem "Dünen-schiffen" zieht es bei Peter einen Reifen von der Felge und da musste er feststellen, dass seine Ersatzstahlfelge andere Radbolzen benötigt als für seine Alu´s. Doch er hatte noch ein zweites Ersatzrad auf Alufelge, die man allerdings erst unter dem Auto ausgraben musste.

Gegen Mittag erreichten wir den platten Felsen und sehen die zwei verloren Geglaubten auf uns warten. Das ist noch mal gutgegangen. Hier wird beratschlagt, wie es nun weitergeht, da nach Aussage der einheimischen Führer wegen des sehr trockenen  Winters die Route von Tembaine zu den verlorenen Seen dieses Jahr nicht befahrbar sei. Wir entschließen uns entgegen der Empfehlung trotzdem dort hinzufahren und teilen diesmal mit beruhigtem Gewissen die Gruppe abermals. Eva und Hans wollen auf die Piste nach Douz zurück fahren - in Begleitung von Peter und Helmut, die einen neuen Reifen und zusätzlichen Sprit bunkern möchten. Mit neu gemischter Gruppe werden wir nun also ca. vier Tage getrennt fahren.

Die vier verbliebenen Fahrzeuge, Erich, Manuel, John und Rainer mit Sabine und Robin, merken sehr schnell, dass die einheimischen Führer nicht untertrieben haben. Wir kommen zwar voran, aber hängen immer einige Stunden unserem Zeitplan hinterher. In einem Dünental wird wieder die Nacht verbracht.

Die Dünen werden immer höher und steiler. Aber gemeinsam erreichen wir Samstagnachmittag die verlorenen Seen. Der Anblick entschädigt uns für die schwierigen Kilometer, in denen immer wieder über Funk zu hören war "ich stecke - brauche Bergehilfe". Meist musste Manuel ran, da er mit seinem Jeep die wenigsten Probleme im Sand hatte.

  

Wir gönnen uns nur zwei Stunden an der Quelle der Seen, wo John wieder als erster im Wasser war und schlagen die Richtung direkt nach Ksar Ghilane ein, wo uns die nächsten 90 Kilometer Dünen und Kamelgraspisten erwarten.

Nach einer weiteren Nacht in den Dünen kämpfen wir uns weiter. Irgendwann habe ich das Gefühl keinen Sand mehr sehen und keine Grasbuckel mehr umschiffen zu wollen. Langsam geht bei uns Benzinern der Sprit zu Neige und wir sorgen uns, noch aus eigener Kraft aus den Dünen herauszukommen.

Sonntag: John hatte mittlerweile zwei Reifenpannen,  Rainer hat ein Loch in den Dünenkämmen  übersehen, was ihn beinahe den neuen Kühler gekostet hätte, aber sonst erreichten wir endlich wieder das Fort Ksar Ghilane. Mit leuchtender Reserveanzeige rollen wir zur "Wüstentankstelle". Mit dem nötigsten Sprit versorgt, geht es auf der Piste weiter Richtung Douz, um dort "sauberen Sprit" aufzufüllen.

Nach einer weiteren Nacht in den Dünen erreichten wir am Montag unser Hotel in Douz und treffen am frühen Nachmittag wieder auf die beiden zurückgebliebenen Reiseteilnehmer. Das Wetter schwenkt in Sandsturm um sodass wir den Dienstag im Hotel und Douz verbringen. Unser letztes Reiseziel soll der Sandrosenplatz sein, den wir Mittwochs ansteuern. Natürlich wieder direkt per GPS-Daten, was uns neuerliche Erkenntnis beschert, da in dieser Richtung der Sand, weich wie Puder ist und durch den Sturm des vergangenen Tages eine zweite unsichtbare Dünenkante angeweht hat.

Nach anfänglicher Überraschung hatten wir dann doch unseren Spaß und hielten zielstrebig auf ein Anbaugebiet, das mit Chots durchzogen war, zu. Da die Pisten zackig durch diese Chots führten, kürzten John und Erich ein kurzes Stück in direkter Linie ab, was uns allerdings eine aufwendige Bergungsaktion bescherte. Zehn Meter vor Erreichen des festen Bodens sackten unsere Fahrzeuge haltlos ab. Nun hieß es schnell handeln, da die Salzlake zusehens anstieg.

Bei dieser Bergeaktion mit der Seilwinde passierte dann ein Unglück indem Rainer zur falschen Zeit am falschen Ort stand und ihn ein sich spannendes Windenseil am Bein erwischte. Aufgrund dieses Unfalls brachen wir sofort unsere geplante Tour ab und suchten das nächste Krankenhaus in Douz auf. Rainer wurde im Maverick liegend  dort hin transportiert. Dort stellte der Arzt nach Ansicht des tunesischen Röntgenbildes einen Bruch fest, war sich aber nicht sicher, weshalb wir weiter nach Kebili ins nächste Krankenhaus fuhren. Der dortige Orthopäde konnte jedoch keinen Bruch feststellen. Die gesamte Medizinische Versorgung einschließlich Röntgenbild und Zwischentransport kostete gerade einmal 40 Euro - bei diesen Preisen wäre unser Gesundheitssystem auch bezahlbar. Erst in Deutschland bekamen wir dann im Krankenhaus die Gewissheit, dass tatsächlich kein Bruch vorhanden ist. Daher machten wir uns umgehend auf den Heimweg Richtung Norden, da Rainer nicht mehr selbst fahren konnte und Sabine natürlich etwas angespannt war. In Kebili wurde uns vom Hospital mit Polizeieskorte der Campingplatz gezeigt, der eigens für uns geöffnet wurde und der Wirt am Abend eine leckere Berberpizza servierte. -> Sehr empfehlenswerter Campingplatz, wird bei unserer nächsten Reise nach Tunesien fest eingeplant.

Am nächsten Morgen - Donnerstags - fuhren wir über die Berge nach Speitla zum Campen auf dem Hotelparkplatz. Tags darauf (Freitags) ging es weiter direkt nach Tunis ins Hotel im Stadtzentrum, was sich als wahrer Verkehrshorror erwies. Auch diese Aufgabe meisterten wir und erholten uns Abends bei einem Spaziergang auf dem Boulevard.

Freitagvormittag blieb dann nur noch die Anfahrt zum Hafen, was leider das Reiseende bedeutete, die allerdings auch sehr ereignisreich war. Die Zollformalitäten waren wieder einmal sehr individuell, was heißen soll, dass den tunesischen Beamten wieder etwas Neues eingefallen ist und eine neue Fußgängerschlange hervorrief. Der Service an Deck hatte leider etwas nachgelassen, aber ansonsten war die Heimfahrt ruhig.

In Genua angekommen fuhr jeder individuell wieder nach Hause, da zwischen dem Ersten und Letzten unserer Reisegruppe locker 1 ½ Stunden Zeit beim Verlassen der Fähre war. Unterwegs erfuhren wir dann noch von John, dass er seinen Maverick mit Motorschaden vor dem San Bernhardino parken musste.

Manuel musste leider jede Raststätte aufsuchen und Montezuma huldigen.

Alle sind wieder zu Hause angekommen, Rainers Bein wird auch schon besser, der Maverick wurde mittlerweile durch einen Toyota ersetzt und die Ersten fragen schon: "Wann geht s wieder los".

 

E.S.